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Sonntag, 2. Januar 2011

Schnee also...

Zunächst einmal: fröhliche Weihnachten und ein gesundes neues Jahr 2011!

Ich werd jetzt erstmal aufholen, was noch im letzten Jahr geschah. Ihr dürft euch freuen einige aufregende Minuten meines Lebens mit- und nacherleben zu können!

Ich beginne mit meiner letzten Hull Woche.
Mein Paprikahühnchen war übrigens sehr lecker (fanden die anderen übrigens auch) und wir haben den Abend dann auf einer Hausparty ausklingen lassen. Generel mussten wir die letzte Woche nochmal ausgiebig nutzen um uns alle zusehen, Dinge zu erleben und ins Asylum zu gehen, denn den gesamten Januar hat unser Uni-Club geschlossen. Genau zu der Zeit wo man eh Zeit hat... das soll mal einer verstehen.

Am Mittwoch waren wir dann auch nochmal dort zur Weihnachtsfeier nachdem wir Marton aus Ungarn im Pub "Gardeners Arms" verabschiedet hatten. War allerdings nicht so mein Abend, alldieweil so einiges schief lief. Erst hab ich mir im Pub ein volles Pint mit Cider über Hose und T-Shirt gekippt, musste dann also erstmal allein nach Hause laufen um mich umzuziehen. Und als wir dann später zum Asylum gelaufen sind war ich natürlich die einzige, die ihren Studentenausweise zuhause hat liegen lassen - super! Durfte ich also nochmal ganz alleine zurücklaufen -.- Da spielte ich schon mit dem Gedanken zuhause zu bleiben, aber der Abend wurde dann doch noch schön.

Am Donnerstag war Lauras letzter Abend hier in Hull vorerst und den haben wir dann zusammen verbracht, gequatscht und den Film Julie und Julia geschaut. Der war ganz nett.
Den Tag darauf haben wir abends dann noch ein allerletztes Mal im Asylum verbracht. Zu der Zeit herrschte schon so einiges an Chaos an den Flughäfen und der eine oder andere fuhr morgens los um nach Hause zu fliegen uns kam abends wieder, weil alle Flüge für den Tag abgesagt wurden. Aber natürlich waren wir dagebliebenen noch alle guten Mutes, dass uns so etwas niemals passieren würde.

Den Samstag haben wir dann noch einmal zusammen verbracht. Zu Mittag haben wir bei David Nudeln in Scampisoße gegessen und abends waren wir dann bei Lea und es gab Fajitas und Crepes mit Eis und Nutella :) Sehr lecker. Wir waren dann nur noch eine kleine Runde von etwa
10 Leuten.

Der Abschied von einigen viel gar nicht so leicht, vor allem nicht wenn man sich fast sicher sein kann, dass man sie möglicherweise nie wieder sieht. Kaitlyn und Glenn aus meinem Haus sind gefahren und auch Callie ist nun wieder in den USA. Nikolas ist auch am Donnerstag gefahren und plötzlich war das Haus ganz schön leer... Nur noch ich und Steve, den ich aber sowieso kaum sehe.

Nun kam er auch, der Tag meiner Abreise.

Ich stand kurz nach 7 auf, packte noch den Rest meines Koffers und machte alles abfahrbereit. Dann lief ich im Schneegeriesel zu David, wo kurz darauf auch Alex eintraf zusammen mit unserem Taxi.
8:20Uhr fuhren wir dann los Richtung Bahnhof. Wir wollten alle drei von Manchester aus fliegen und hatten den gleichen Zug gebucht. Zuerst sollte Alex über Zürich fliegen, dann David nach Stuttgart und schließlich sollte ich um 15:35Uhr über Köln nach Berlin abfliegen.
Entgegen meiner Erwartungen waren alle Züge nach Manchester pünktlich und wir waren viel zu früh am Flughafen. So vertrieben wir uns dort die Zeit bis Alex schließlich losflug. Nach noch einer Wartestunde war es auch für David Zeit und ich war alleine auf dem Flughafen. Hinter dem Check-In Bereich war es schon warm, es gab viele Sitze, viele Menschen und viele Läden. Ich wartete geduldig, wurde jedoch langsam unruhiger und unruhiger, als bei meinem Flug immer noch "Wait 50 Minutes" stand, als es schon um 3 war. Irgendwas ging also nicht mit rechten Dingen zu. Auf meiner verzweifeten Suche nach einem Sitzplatz mit gutem Blick auf die Monitore kam ich mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch, die auch schon vor mir eingecheckt hatte. Sie kannte mich, ein kurzer Moment der peinlichen Berührung verstrich und wir stellten fest, dass wir uns schonmal auf irgendeiner Party in Hull getroffen haben müssen. Es war Corinna und sie ist ebenfalls Erasmus-Studentin in Hull. Uns gegenüber entdeckte ich dann plötzlich Mandy und Anne, auch aus Hull. Wir wollten alle mit dem gleichen Flieger los, die anderen nur bis Köln, aber ich ja noch weiter. Aber so bildeten wir zumindest schonmal eine kleine Gruppe. Zu uns stießen dann später auch noch Florian and Christian, zwei Deutsche die beide in Manchester studieren.
Mit dieser 6-er Gruppe sollte ich noch die eine oder andere Stunde am Flughafen verbringen.
Informationen wurden spärlich bzw. gar nicht an uns weitergeleitet und nur durch die regelmäßigen Telefonate aller mit sämtlichen Verwandten und Bekannten informierte uns darüber, dass zunächst mein Anschlussflug von Köln nach Berlin angesagt wurde. Aufgrund eines Schneesturmes in Köln wurde dann schließlich auch der Flug Manchester-Köln gecancelled. Das Problem an der Sache war nur, dass wir davon nichts wussten. Dies waren alles Informationen die auf sämtlichen Flughafenwebsites standen, im Flughafen selbst verschwand der Flug simplerweise von allen Anzeigetafeln so nach dem Motto: Diesen Flug hat es nie gegeben.

Aufgebrachte Mengen sammelten sich am Infoschalter, doch dort wollte niemand zuständig sein. Germanwings hat keinen eigenen Posten am Manchesterflughafen. Nach weiterer Warterei kam dann eine Germanwings-Mitarbeiterin und versuche die Massen zu beruhigen. Der Flug sei gestrichen, ja. Wir bekämen unser Gepäck gleich zurück. Dann verteilte sie noch Flyer, auf denen wir hofften Gutscheine für Verpflegung und Unterkunft oder Ähnliches zu finden. Tatsache war dann jedoch, dass die Kölner Adresse von Germanwings samt Telefonnummer darauf vermerkt war. Super. Wie hilfreich.
Schließlich bekamen wir tatsächlich unser Gepäck zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir sämtliche Stimmungslagen durchlebt von: wir werden Weihnachten wohl hier auf dem Flughafen verbringen bis zu wir mieten uns ein Auto uns fahren mit der Fähre oder durch den Eurotunnel. Natürlich beides absurd, aber man fühlt sich so alleingelassen und hilflos. Zum Glück war ich nicht allein!

Da es uns nicht möglich war am selben Tag noch einen weiteren Flug vor Ort zu bekommen und die nette Dame uns mitteilte, dass sämtliche Germanwings-Flüge für die Weihnachtswoche ausgebucht wären, mussten wir einen Alternativplan finden. Zum Glück war Florian so freundlich und bot uns Mädels an bei ihm im Studentenhaus zu nächtigen. Wie sich herausstellte funktionierte aber die Heizung nicht, was nur noch das Chaos vollendete.
Bei ihm angekommen suchten wir nach neuen Flügen innerhalb der nächsten Tage, was sich glücklicherweise noch als machbar erwies. Die anderen 4 wollten schon am nächsten Morgen von Leeds aus nach Düsseldorf Weeze fliegen. Den besten und preiswertesten Flug den ich auf die Schnelle mit Matze's tatkräftiger Unterstützung finden konnten flog aber erst am Dienstag von Liverpool aus, diesmal aber direkt nach Berlin mit EasyJet.

Gesagt, gebucht, gefahren. Gegen eins endlich eingeschlafen, kurz vor 6 wieder aufgestanden um nach Manchester Picadilly zu fahren, die anderen mussten ja ihren Zug bekommen. Wir verabschiedeten uns dort, wünschten uns viel Erfolg für die Reise und ich war wieder alleine.
Halb 9 fuhr mein Zug nach Liverpool und dann stand ich da, bei gefühlten -20°C und tatsächlichen -4 bis -6°C. Mein Gepäck ließ ich im Bahnhof und machte mich dann auf die Liverpoolaner Erkundungstour mit regelmäßigen Pausen in warmen Cafés, Museen oder anderen öffentlichen Orten, hauptsache nicht ganz so kalt. Ich hatte zwar keine Ahnung, was es in Liverpool so zu sehen gibt, außer den Empfehlungen die mir mein Sitznachbar (ein alter Opi) im Zug gegeben hatte und meinen Cluberfahrungen von "Hull invades Liverpool", aber glücklicherweise gibt es in Liverpool viele Hinweisschilder die einen an allen möglichen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführen. Leider gab der Akku meines Fotoapparates nach kurzer Zeit auf, sodass nicht soo viele Bilder entstanden sind. Oben links ist übrigens das John Lennon Peace Monument. Hier sind noch ein paar weitere Eindrücke von Liverpool:
Einer der hilfreichen Wegweiser in der Stadt die mir bei der Erkundung geholfen haben.

Ein hübsches altes mysteriöses Gebäude.

Am Ufer des Flusses Mersey steht ein Reiter der auf den Fluss schaut.

Am Albert Dock mit dem Blick auf das Royal Liver Building in der Mitte und links auf ein großes schwarzes Gebäude dessen Namen und Funktion ich momentan nicht weiß...

Die Liverpool Cathedral - sehr beeindruckend und riesig auf einem Hügel der die Stadt überblickt, mit freiem Eintritt übrigens.

Eine etwas andere Kirche, die Metropolitan Church.


Das Museum of Art mit hübschen Bildern durch alle Zeitepochen und Stile.

Irgendwann fand ich auch in der Stadt, nach endlosen Spaziergängen über den Weihnachtsmarkt, keinen Platz zum bleiben. Alle Pubs waren nur von alten Männern bevölkert, sodass ich mich dort nicht als einziges Mädchen hinzugesellen wollte und deshalb beschloss ich zum Flughafen zu fahren. Leider ging alles viel schneller als erwartet und so war ich schon kurz nach 19Uhr dort. Zu meiner großen Freude gab es gleich mehrere Flughafenhotels, doch das eine war komplett ausgebucht und das andere kostete über 60Pfund für die Nacht, sodass ich es mir dann doch auf dem Flughafen "bequem" machte. Es war unheimlich kalt, keine Heizungen schienen an zu sein und viele Stühle gab es auch nicht. Die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Zu Beginn konnte ich wenigstens noch ein bisschen Fernsehen gucken in der Ecke in der ich saß. So wurden mir viele Bilder von eingeschneiten Flughäfen und Schneechaos gezeigt, die meine Laune nicht grade verbesserten... Zwischenzeitlich sprach ich auch mit einem Polen, dessen Flug mehrere Stunden verspätung hatte, und kurz nach Mitternacht musste ich meinen Platz verlassen weil dieses Sitzareal zu einer Art offener Bar gehörte, die nun schloss.
Den Rest der Nacht verbrachte ich dann eingehüllt in eine dünne Decke die uns vom Flughafenpersonal gestellt wurden auf 2 Stühlen und frierend. Es wollte einfach nicht wärmer werden. Da jegliche Bewegung darin resultiert hätte, dass irgendein Körperteil womöglich kalter Luft ausgesetzt wäre, saß ich die folgenden Stunden so still wie möglich da und guckte. Einfach gradeaus. Realtiv uninteressant muss ich sagen. Und die Minuten verstrichen wie Stunden. Zwischendurch schlief ich kurz für eineinhalb Stunden ein, doch den Rest der Zeit bis um 5Uhr morgens saß ich einfach da und wartete.
Nach 10 Stunden Wartezeit konnte ich endlich einchecken, mich im Dutyfree-Bereich ein bisschen aufwärmen und in mein pünktliches Flugzeug einsteigen.
Und endlich, die Anzeigetafel zeigt für meinen Flug um 7:10Uhr, dass ich zum Gate 65 gehen soll. Diesmal hats tatsächlich geklappt!
Noch bevor mit den Sicherheitsansagen begonnen wurde schlief ich schon und wachte erst auf, als wir wieder landeten. Endlich zuhause. Ich war komplett übermüdet, fertig, kalt und überglücklich! Matze holte mich vom Flughafen ab und brachte mich nach Hause.
Endlich geschafft. Und noch vor Weihnachten! Ein Glück.

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