Matze und ich haben dieses Schicksal am Sonntag, dem 14.11.2010 auf uns genommen und hier ist der Reisebericht.
7:30 Uhr
Wir stehen langsam auf, frühstücken gemütlich und packen unsere Sachen, denn um 9 fährt unser Zug vom Hauptbahnhof (wenn man das so nennen will) in Hull ab und wir müssen da ja noch irgendwie hinfahren. Mit dem Bus nämlich. Dauert eigentlich nur so 10 bis 15 Minuten.
8:22 Uhr
Wir schlendern zur Bushaltestelle. Wir haben ja noch Zeit. Außerdem kommen die Busse hier ja sehr regelmäßig. Das klappt schon alles.
8:25 Uhr
SCHOCK! Es ist Sonntag. Heute fahren die Busse eben NICHT so regelmäßig. Den um 8.21Uhr haben wir grade verpasst und der nächste kommt erst 8.51Uhr - definitiv zu spät. Also was nun? Gedanken rasen, nach außen hin ist alles ruhig. Tja... mh. mal überlegen. Wir entscheiden uns für eine Flucht nach Hause um im Internet nach einer Taxinummer zu googlen. Gesagt getan. Natürlich braucht mein Laptop gefühlte 20 Minuten um zu starten und sich mit dem Internet zu verbinden. Die erste Taxi-Gesellschaft wimmelt mich ab, ab um 9 kann mal hier Taxis buchen. Hier ist nichts mit "wir kommen sofort". Zum Glück bekomme ich dadurch aber eine andere Taxinummern, schildere mein Problem und tatsächlich - schwupps - ein paar Minuten später sitzen wir erleichtert im Taxi. Der Taxifahrer grummel etwas von Unfall auf der Straße... grummel... irgendwas... und mein Blutdruck steigt wieder, aber letzten Endes landen wir glücklich und zufrieden am Bahnhof und haben sogar noch mehr als 10 Minuten Zeit. Erleichterung macht sich breit :)
9:00Uhr
10:25Uhr
Kein Wunder also, dass wir unseren Anschlusszug in Leeds verpasst haben. Der sollte nämlich schon vor 15 Minuten abfahren und war ausnahmsweise mal relativ pünktlich. Nach Konsultation mit dem Bahnhofspersonal haben wir einen Alternativzug gefunden, der uns auch nach Manchester bringen sollte und den wir auch mit unserem Ticket boarden konnten. Ein Glück. Dieser Zug hatte dann zwischen 10 und 15 Minuten Verspätung, aber immerhin waren wir endlich auf dem direkten Weg nach Manchester. Wir sind dann auch gleich bis zur Picadilly Station gefahren, obwohl unsere Tickets nur bis zur Victoria Station galten, aber wir fanden, dass wir das nach dieses Strapazen verdient hatten. Und kontrolliert hat uns ja auch keiner ;)
11:45 Uhr
Endlich in Manchester Picadilly :) Matze hat seine Tasche da abgegeben, damit er die nicht den ganzen Tag durch die Stadt schleppen muss und sehr professinell musste er typische Flughafen-Fragen beantworten und alles wurde durchleuchtet.
Ich habe mich währenddessen erkundingt, wie wir denn zu unserem schönen kleinen Hotel am Abend kommen. Das stellte sich nämlich als weiteres Problem dar. Hieß zwar "Flughafen Hotel", wars aber nicht. Unmöglich zu erreichen, wenn man kein Auto hat, quasi. Die nette Dame empfohl also mit dem Bus bis zum Flughafen zu fahren und dann zu laufen. Auf dem Zettel vom Hotel stand, dass es "nur" 2,1 Meilen wären. Na gut. Wenns eben nicht anders geht.
12:10 Uhr
Wir verlassen endlich den Bahnhof um machen uns erstmal auf den Weg zum Busbahnhof. Der ist auch gar nicht so leicht zu finden.
Wir sind mittlerweile müde, hungrig, erschöpft, sauer auf das Bahnsystem Englands und vor allem ratlos was unsere abendliche Reise zu unserem Hotel angeht.
Am Busbahnhof finden wir heraus, dass wir 7,60Pfund zahlen müssten um zum Flughafen zu kommen, dass der Bus aber nur alle paar Stunden führe (sagt man das so? fahren würde). 19.00Uhr zum Beispiel. So lange wollten wir ja eigentlich nicht warten. Na ja.
Dieses Problem haben wir erstmal vertagt und haben uns dann tatsächlich die Stadt angeschaut und glücklicherweise wurde unser erster negativer Eindruck sehr schnell ersetzt und wesentlich verbessert. Manchester ist wirklich eine schöne Stadt, die so einige Überraschungen birgt. Hier kommen ein paar Eindrücke von unserer Erkundungstour:
dann waren wir noch im Museum of Arts (jaja, kulturell aktiv ohne Ende), wo wir dieses T-shirt gefunden haben:
17:00Uhr
Wir machen uns langsam auf den Weg zurück zum Bahnhof, und finden, dass wir genug von der Stadt gesehen haben. Außerdem ist es dunkel und kalt und wir müssen ja noch irgendwie herausfinden, wie wir zu unserer Unterkunft kommen. Am Bahnhof angekommen gucken wir nochmal auf den Zettel vom Hotel. Da steht auch noch eine andere Bahnstation, Heald Green, von der es nur 1,7 Meilen zu Fuß sind. Promt untersuchen wir diesen Fall und finden sogar eine Bahn, die uns dorthin bringen würde. Die Tickets sind auch deutlich billiger als die vom Bus, also entscheiden wir uns spontan für diese Bahn.
17:42 Uhr
Wir sitzen in einer Art S-Bahn und sind gespannt, da entdeckt Matze auf dem Hotelzettel NOCH einen Bahnhof. Gatley, nur 0,7 Meilen entfernt. Und da die Bahn auch dort hielt, sind wir spontan ausgestiegen. So schwer kann das ja alles nicht zu finden sein. Matze will einen Plan suchen, aber ich frag lieber den älteren Mann, der vor uns läuft, nach dem Weg. Der ist total enstezt. Wohin wollen wir? Ins Plym... Hotel? Da sind wir zu früh ausgestiegen. Das ist ganz weit weg, da sollten wir lieber bis Heald Green fahren. Nein, von hier, unmöglich. Die nächste S-Bahn käme in einer Stunde, das wäre besser. Mit Laufen seien wir auch nicht schneller.
Nein, nein, das kann nicht sein, sagen wir. Hier, der Zettel!
Achso.. Plymgate Hotel! Ja, das kenn ich! Da hat mein Bruder aus Australien grade gewohnt! Ja, ja. Schönes Hotel! Aber entsetzlich weit weg. Mit Laufen wird das nichts. Also auch hier in der Umgebung und so. Ne, würd ich euch nicht empfehlen.
So ging das noch ein bisschen weiter. Der Mann hatte eine ziemlich stark ausgeprägte Alkoholfahne, lief nicht mehr ganz grade, aber wies uns dann an ihm zu folgen, er wohne eh in der gleichen Richtung. Nach einer netten Unterhalten über sämtlich Themen, beschloss er dann seine Frau anzurufen und ihr zu sagen, dass sie uns beide zu unserem Hotel fahren solle. Wir warn total baff. Schon allein dieser Gedanke war so freunlich, was besseres hätte uns gar nicht passieren können! Nach 15 Minuten Fußmarsch kamen wir dann an seinem Haus an und seine Frau (die Berlin sehr mag und es für eine großartige Stadt hält) fuhr uns dann (etwa 5-7 Autominuten) zu unserem Hotel. Wir waren sprachlos ob dieser Freundlichkeit. Wir kamen aus dem Bedanken gar nicht mehr heraus und die Frau wollte auch kein Geld oder Ähnliches annehmen. Einfach pure Freundlichkeit. Der Mann sagte auch vorher: wenn man anderen Menschen nicht helfen kann und sie unterstützen kann, was bleibt einem dann im Leben?
Einfach toll. Wir hätten vermutlich einen sehr langen, verwirrenden, ergebnislosen Spaziergang vor uns gehabt, hätten wir Dannie (so hieß er glaube ich) nicht getroffen: Was für ein Glück. Aber irgendwann mussten wir ja auch mal Glück haben!
18:30Uhr
Endlich im Hotelzimmer. Es ist zwar noch relativ früh am Abend, aber dadurch dass es eiskalt und stockfinster ist, fühlt es sich an wie mitten in der Nacht. Wir verbringen also den Rest des Tages in unserem kleinen gemütlich Zimmer (mit eigenem Bad und Fernseher) und lassen Manchester mal Manchester sein.
Am nächsten Morgen werden wir zum Flughafen gefahren vom Hotel aus (8 Pfund!!! Wucher!! Für knappe 10 Minuten Autofahrt!) und Matze fliegt wieder zurück nach Deutschland :( Schade eigentlich. Aber zumindest hatten wir ein paar Abenteuer, von denen wir noch lange zu berichten wissen ;)
Meine Rückfahrt war aber nicht weniger spannend als die Hinfahrt, deshalb möchte ich noch kurz darüber berichten.
Laut Ticket sollte ich 11.05 Uhr bis Manchester Picadilly fahren und von dort aus dann 12.42Uhr mit dem Direktzug nach Hull.
Am Flughafen gab es zunächst keinen einzigen Zug, der um 11.05 Uhr abfahren sollte. Aber da auch andere Züge über Manchester fuhren, nahm ich mir die Freiheit und stieg einfach in irgendeinen Zug ein. Als mein Ticket kontrolliert wurde, ging auch alles klar. In Manchester angekommen werden beim Verlassen der Plattform auch nochmal die Tickets kontrolliert. Meins war eben nur ein Ausdruck aus dem Internet, aber legal. Als der Kontrolleur mein Ticket sah, guckte er mich nur an und fragte: Was soll denn das sein? Was ist denn das hier?
Ich guckte zurück und sagte: Mein Ticket. Steht auch hier: This is your travel ticket.
Er, total entsetzt: Das ist doch kein Ticket? Aus welchem Land soll das denn sein, bitte?
Ich wieder: Aus England. Das ist ein gültiges Zugticket.
Er, total verwirrt, fertig um mir alle möglichen existierenden Gebühren aufzudrücken, nimmt mich mit zu seinem Kollegen mit den Worten: Guck dir das mal an, das ist doch kein Ticket! Aus welchem Land soll das denn sein?
Der lächelt nur: ne ne, das ist schon nen normales Ticket. Hier, du musst nur das Datum kontrollieren und dann ist gut.
Und ich darf gehen. Ich war erstaunt, wie ruhig ich geblieben bin, kein Zeichen von Panik :)
Das änderte sich aber im nächsten Moment als ich an die Anzeigetafel blickte:
Zug 12.42 Uhr nach Hull : CANCELLED!
Toll. Toll, toll, toll, dachte ich. Na super. Und jetzt? Ich muss nämlich unbedingt schnell nach Hause, weil ich bis 16 Uhr mein Essay abgegeben haben muss, sonst bekomm ich gleich minuspunkte.
Bin ich also zum nächstbesten Infoschalter und hab gefragt was ich denn jetzt tun soll und der Mann hat mir zum Glück ganz freundlich erklärt, wie ich jetzt fahren muss. Mir dem Zug um 12.27Uhr nach Leeds und dann dort immer 38Minuten nach der vollen Stunde mit einem Zug nach Hull. Und ja, mein Ticket gilt dann noch.
Es war 12.32Uhr. Ich dachte, er will mich veräppeln. Aber wir sind ja hier in England, da kommen die Züge ja nich immer, wie sie sollen und so hatte auch mein Zug nach Leeds Verspätung, den ich deshalb dann noch bekommen habe. Welch ein Glück.
13.33Uhr kam ich dann in Leeds an und hatte immerhin 5 Minuten um einmal durch den riesigen Bahnhof zum allerletzten Gleis zu eilen, denn der Zug nach Hull fuhr pünktlich ab, und kaum saß ich im Zug, fuhren wir los.
Erleichterung. Endlich ist die Manchester Odysee zuende.
Ich bin dann irgendwann aufgewacht und hab mich gewundert, wieso der Zug plötzlich so leer ist, bis mir aufgefallen ist, dass wir offenbar schon seit einigen Minuten im Bahnhof in Hull stehen (zum Glück der Endbahnhof).
Mein Essay hab ich auch noch pünktlich abgegeben und jetzt bin ich einfach nur erschöpft :)
Fazit 1: Die Züge in England sind noch fürchterlicher als in Deutschland was Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit angeht.
Fazit 2: Man muss mal nach Manchester gefahren sein.
:)
AntwortenLöschenOh Susi!!
AntwortenLöschenDas hört sich eher nach einem Abenteuerbericht an,als nach einem entspannten Ausflug..Gibt's ja gar nich,was alles schiefgehen kann..Ich glaub übrigens auch ,dass führe der Konjunktiv von fahren ist :)
Naja,ein Gutes hatte doch der Trip: Du hast ein unglaubliches Murphy's-Law-Abenteuer zu berichten..
Warum ward ihr denn im Hotel eingecheckt?Ging ja ganzschön glatt :D
Aber es tut immer gut zu hören,dass es auch hilfsbereite Menschen gibt!
Sag mal,hattet ihr am 11.11. auch sowas wie Remembrance Day??
Grüßlis,
Josi
Hallo Susi,
AntwortenLöschenwarum geht das hier nicht mit dem Kommentar posten, ich krieg die Krise.
Also Manchester ist schön, da geb ich dir Recht. Und wenn du das nächste Mal Stress und Geld sparen willst, dann buch doch einfach nen Coach Trip mit MegaBus oder NationalExpress. Ich hatte damit noch keine Probleme ;)
Aber sieh's mal so: wir haben so einen sehr unterhaltsamen Bericht zu lesen! ;)
Und den Springbrunnen hab ich auch wieder erkannt :D wart ihr auch im MOSI?
ganz liebe Grüße aus B'ham!
Ich glaub, dass du die Deutsche Bahn lieben wirst, wenn du wieder zurück bist :)
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